Die Politik der Wahrheit

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Klonkrieger
Terrakotta-Krieger

Rund 10.000 Menschen protestieren im Juni 2013 gegen die europäische Krisenpolitik. Friedlich ziehen sie in Frankfurt Richtung Europäische Zentralbank. Weit vor ihrem Ziel versperrt eine Hundertschaft von Polizisten dem vorderen Teil des Demonstrationszuges den Weg. Eine weitere Hundertschaft solcher Terrakotta-Krieger kesselt die Bürger stundenlange ein.

Stell Dir vor …

Über Twitter und Facebook verbreitet sich die Nachricht und innerhalb kurzer Zeit stoßen weitere 100.000 Menschen dazu, um die umzingelten Demonstranten gewaltfrei zu unterstützen.

Von dieser Vision sind wir in Deutschland noch entfernt. Denn die Deutschen stufen solche Ereignisse in ihrer Prioritätenliste noch weit unten ein. Die Regierenden filtern unsere Informationen und unterbinden unser Recht zu demonstrieren. Trotzdem ist es in Ländern wie  der Türkei oder Tunesien anders. Solidarisch stehen die Bürger zusammen auf der Straße und treten für ihre Interessen ein. Was können wir von den tapferen Menschen solcher Ländern lernen?

Hauptsache- Pflicht erfüllt?

„Seine Pflicht erkennen und tun, das ist die Hauptsache“, sagt der König von Preußen der Alte Fritz (1712-86). Solche Grundsätze lernen wir als Kind und geben sie später an unsere Kinder weiter. Der Grundsatz dahinter lautet: „Denken kannst du, was du willst. Hauptsache du gehorchst.“ Diese fordernde Haltung gibt es seit je her. Zur Zeit der Aufklärung, zur Zeit des Nationalsozialismus und zur heutigen Zeit ist sie  verbreitet. Doch unsere Ja-Sager Mentalität eignet sich nicht um Faschismus zu verhindern und auch nicht um die Diktatur des Finanzkapitalismus zu überwinden. Dies unterstreicht Stephane Hessel in seinem Aufsatz Empört Euch, wenn er schreibt: „Das schlimmste ist die Gleichgültigkeit“.

Entscheidend ist die empathische Haltung!

Warum sind wir so gleichgültig? Gleichgültig sind wir, wenn wir die Ereignisse hinnehmen, ohne uns damit näher auseinanderzusetzen. Dann gibt es weder einen Bezug, noch einen guten Draht zum Mitmenschen. Wir wissen nicht was wir brauchen und ahnen nicht, wie es dem anderen geht.

“Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!”, so lautet der Wahlspruch der Aufklärung zu Zeiten Immanuel Kants (1724-1804). Um den Filterungen der uns Regierenden entgegenzuwirken, brauchen wir aber mehr als unseren Verstand. Denn der Kopf versagt, sobald es darum geht, humane Entscheidungen zu treffen. Wir brauchen unser Herz! Eine empathische Haltung ermöglicht uns die Ereignisse nicht nur gedanklich, sondern emotional zu erfassen. Dadurch können wir solche Situationen ganzheitlicher erkennen und bewerten.

Warum aufrichtige Kritik so wichtig ist

„In dem Spiel das man die Politik der Wahrheit nennen könnte, hätte die Kritik die Funktion der Entunterwerfung“, bemerkt der Philosoph Michel Foulcault. Er wendet sich in seinem Text -Was ist Kritik?- gegen  herkömmliche Strukturen. Denn diese schützen vor allem den Machtanspruch wohlhabender Männer. Nicht-Europäer, Arbeiter und Frauen erhalten hingegen nur den Status eines vollwertigen Mitgliedes der Menschheit, wenn sie sich als ein Ebenbild solcher Männer disziplinieren. Eine Aufgabe der aufrichtigen Kritik besteht darin, solche strukturell-rassistischen Bedingungen zu überwinden.

Fazit

Die Zeiten ändern sich. Eine empathische Haltung ist das entscheidende Element für die Politik der Wahrheit.  Stephane Hessel bemerkt hierzu voller Hoffnung: „Die Zukunft gehört der Gewaltlosigkeit und der Versöhnung der Kulturen.“

 

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