Die Farben des Lebens

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Farben
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Als der Gründer der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) Marshall Rosenberg in ein palästinensisches Flüchtlingslager kommt, beginnt ein Mann zu schreien, “Mörder!” Sofort stimmen weitere Flüchtlinge ein und brüllen im Chor, “Attentäter!” “Kinderkiller!” “Mörder!”  Der jüdisch-amerikanische Konflikttrainer kommt mit dem Mann in einen Dialog indem er frägt: “Ärgern Sie sich, weil sie möchten, dass meine Regierung ihre Mittel anders einsetzt?” Am Ende lädt derselbe Mann ihn zu sich nach Hause zum Essen ein.

Vom Denken zum Fühlen

„Gefühle und Bedürfnisse sind nicht voneinander trennbar. Bedürfnisse werden durch Gefühle sichtbar, erkennbar. Darin liegt die Bedeutung von Gefühlen“, schreibt Konflikttrainer Marshall Rosenberg. Gefühle sind die Farbe des Lebens! Gefühle kennen weder Opfer noch Täter und weder gut noch schlecht! Gefühle sind körperlich spürbar und ereignen sich hier und jetzt! Menschen in einer gewaltfreien Haltung übernehmen selbst die Verantwortung für ihr Leben, sobald sie Sätze sagen wie “Ich fühle mich hilflos“.

Im Gegensatz dazu steht unser Denken, wir seien Opfer. „Ich fühle mich provoziert“, ist ein Satz der wie ein Gefühlsausdruck klingt, aber eigentlich einen Opfergedanken ausdrückt: “Der provoziert mich”. In gewaltfreie Sprache übersetzt, könnte der Satz lauten: „Ich bin wütend, weil mir Respekt wichtig ist.“

Verdrängte Gefühle

Wie kommt es zu diesen Pseudo-Gefühlen? Erich Fromm erklärt es folgendermaßen: „Jede Verdrängung löscht einen Teil unseres wirklichen Selbst aus und zwingt das verdrängte Gefühl durch ein Pseudo-Gefühl zu ersetzen. Der Verlust der echten Gefühle erzeugt im Menschen einen Zustand intensiver Unsicherheit.“ Menschen die sich in einer solchen Unsicherheit befinden, geben Verantwortung  für ihre Misere ab. Wer Kritik hört ärgert sich. Viele flippen aus. Ich schließe mich da nicht aus. Es gibt aber clevere Wege. Buddha macht dies deutlich, wenn er sagt: “An seinem Ärger festzuhalten ist genauso wie eine glühende Kohle in die Hand zu nehmen, um sie nach jemanden zu werfen; du bist derjenige, der sich verbrennt.”

Das Gefühl als Schlüssel

“Kritik ist die Kunst der freiwilligen Unknechtschaft, reflektierte Unfügsamkeit”, erkennt der Philosoph Michel Foulcault. Sobald es gelingt, sich in den gegensätzlichen Standpunkt des anderen einzufühlen, spitzt sich eine Situation nicht mehr zu. Wenn wir verstehen, weshalb ein anderer Mensch gehandelt hat, hilft es dem Gegenüber, sich von seiner Wut zu lösen. Dabei entsteht Tiefe.

Fazit: Es erhöhen sich unsere Chancen Bedürfnisse erfüllt zu bekommen, sobald wir Gefühle genau wahrnehmen und ausdrücken. Dabei entwickeln wir Achtsamkeit gegenüber uns selbst und gegenüber anderen. Gewaltfreie Kommunikation versteht Kritik anders, als wir es gelernt haben. Daher ist das Konzept eine Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen.

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